
Von einem einfachen Satzschlusszeichen zur großen Bühne:
Die Geschichte einer besonderen Laienspielgruppe
Namens „Fragezeichen“
Es begann alles mit einer schlichten Zeitungsannonce im Winter 1996. An einem kalten 13. Dezember trafen sich einige Theaterbegeisterte in der Gaststätte „Brauens Roß“ in Weißendorf. Der Funke sprang sofort über, sodass nur vier Tage später, am 17. Dezember, bereits die offizielle Gründungsversammlung stattfand. Eine bunt gemischte Truppe von 16 Mitgliedern im Alter von 15 bis 45 Jahren hob den Verein aus der Taufe und wählte den ersten Vorstand, bestehend aus Elvira Michel, Harry Kießling, Brigitte Schütz, Heidi Gerber, Jürgen Roder und Petra Walter. Da den Gründern in all der Aufregung schlichtweg kein passender Name einfallen wollte, machten sie aus der Not eine Tugend und tauften sich liebevoll auf den Namen Laienspielgruppe „Fragezeichen“.
Voller Tatendrang stürzten sie sich unter der Regie von Harry Kießling in die Planung ihres ersten Stücks, „Der ewige Spitzbube“. Geprobt wurde auf der Bühne der Turnhalle in Weißendorf, und der Enthusiasmus machte fehlendes Equipment wett. Statt professioneller Theaterbeleuchtung nutzte man kurzerhand einfache Bauscheinwerfer, und die Kulissen, die das BTZ Zeulenroda nach ihren Vorgaben anfertigte, erwiesen sich als so robust, dass sie dem Verein selbst 30 Jahre später noch treue Dienste leisten sollten. Im April 1997 war es dann so weit: Nach einer Generalprobe feierte das Ensemble vier Aufführungen in Weißendorf und eine weitere im Kulturhaus Langenwetzendorf, vor jeweils 30 bis 80 Zuschauern.
Die Gruppe war experimentierfreudig und wagte sich im Dezember 1997 an das Drama „Mutterherz“ im Theater Greiz. Doch nach dem Vorhang kam die große kollektive Erkenntnis: Dramen waren einfach nicht ihre Welt. Die Truppe beschloss kurzerhand, fortan nur noch Komödien und Lustspiele aufzuführen – ein Genre, das sowohl zu den Spielern als auch zum Publikum viel besser passte.
Getreu diesem neuen, heiteren Kurs starteten Anfang 1998 die Proben für „Eine verrückte Familie“. Das neue Zuhause für Proben und die meisten Vorstellungen wurde das Hotel „Goldener Löwe“ in Triebes. Hier entwickelte sich die Gruppe weiter und probierte sich aus: Im Oktober 1998 übernahm Heidi Gerber die Regie für den Schwank „Der ehrliche Lügner“, und ein Jahr später inszenierte Angelika Seyfarth das Lustspiel „Tante Tine – Tante Mine“. Das Publikum dankte es ihnen, und die Zuschauerzahlen stiegen auf bis zu 100 Gäste pro Abend an.
Das Jahr 2000 brachte jedoch turbulente Zeiten mit sich. Aufgrund von Unstimmigkeiten innerhalb der Truppe verließen Harry und Brigitte Kießling im Mai den Verein und gründeten die „Heimatbühne Triebes“. Die Laienspielgruppe „Fragezeichen“ stand plötzlich ohne Probenraum da und musste sich neu sortieren.
Doch dieser Neuanfang entpuppte sich als Startschuss für eine goldene Ära. Im Oktober 2000 fand die Gruppe im Gymnasium Haus 2 in Zeulenroda ein neues Quartier für ihre Proben. Unter der festen Regie von Petra Walter feierte das Stück „Romme zu Dritt“ im Frühjahr 2001 Premiere – und zwar an alter Wirkungsstätte in der Turnhalle in Weißendorf. Die Rückkehr war ein voller Erfolg, und die Zuschauerzahlen sprangen schlagartig auf bis zu 140 an.
In den darauffolgenden Jahren wuchs der Verein unaufhaltsam und etablierte sich als fester Bestandteil des regionalen Kulturlebens. Mit Hits wie „Ein turbulentes Wochenende“ (2001/2002) und „Perle Paula macht Karriere“ (2002/2003) kletterten die Besucherzahlen auf bis zu 170. Auch Auswärtsspiele, wie im Rathaussaal Pausa, standen nun auf dem Programm. Die Leidenschaft der Spieler war ungebrochen, und mit Stücken wie „Emma und Emanzipa“ und „Havy Beethoven“ musste sogar die Anzahl der Vorstellungen auf sechs Abende erhöht werden.
